Fotos: Jann Roolfs
|
PAUL SCHWER / BURKHARD
VERNUNFT |
| Installation,
Malerei, |
| |
Vernissage am Sonntag,
16. November 2003, 11.30 Uhr
Ausstellungsdauer bis 21.Dezember 2003
|
| Info |
PRESSEANKÜNDIGUNG
Mit "Farbflächen" von Paul Schwer und Burkhard
Vernunft beendet das Palais für aktuelle Kunst das
Ausstellungsjahr 2003, das bereits mit der Gegenüberstellung
zweier malerischer Positionen begonnen hatte. Im Zentrum
ihres künstlerischen Interesses stehen bildhafte
Erlebnisräume und farbige Strukturen. In der Motivwahl
sind beide grundsätzlich verwandt, doch sie verfolgen
unterschiedliche räumliche Konzepte: bei Vernunft
konzentriert sich alles innerhalb eines illusionären
Bildraumes, bei Schwer werden Farbflächen raumübergreifend.
Der Düsseldorfer Künstler Paul Schwer (Jg. 1951)
arbeitet mit annähernd monochromen Farbflächen
auf Glasplatten, die vor Ort unkonventionell arrangiert
werden. Einige legt er auf handelsübliche Halogenstrahler,
deren hohe Temperatur die Glasscheiben meist nach kurzer
Zeit zerspringen lassen. In der Zerstörung liegt
gleichzeitig die materielle und künstlerische Überwindung
der Farbflächen. Die Glasplatten, blind geworden
durch ein Farbgemisch aus Buttermilch und Pigmenten, werden
in neue, kleinere Formen vervielfacht. Dieser thermodynamische
Vorgang ist nicht steuerbar; der Ausstellungsbesucher
wird buchstäblich zum Bestandteil einer zeitlich
nicht-abgeschlossenen Installation. Andere gläserne
Bildträger, deren Transparenz vom Farbmaterial verschlossen
ist, werden rückseitig mit Neonlampen durchstrahlt
oder zu farbigen Projektionsflächen eigener Photos
aus dem urbanen Alltagsleben, beispielsweise vorübereilende
Passanten.
Der Hamburger Künstler Burkhard Vernunft (Jg. 1940)
kontrastiert seine ruhigen, annähernd monochromen
Farbgründe (Acryl auf Leinwand) mit räumlich
verdrehten, verwinkelten Binnenflächen. Inspiriert
von mediterraner Architektur und geometrischen Grundformen
farbiger Lenkdrachen, jongliert er mit Farbformen, mit
dreidimensional erscheinenden Formen, die sich zu bilden
und wieder zu verflüchtigen scheinen. In Variationen
über ein Thema, etwa acht unterschiedlich farbige
Hausmodulformen in leichter Farbverschiebung ("luoghi"
- Orte), verzahnen sich die Farbflächen zu einem
verschiedenartigen Davor und Dahinter. Viele seiner Bilder
beschreiben den Zustand des Innehaltens, des "Atem-Anhaltens",
wie Burkhard Vernunft es selbst ausdrückt. Die Wirklichkeit
bleibt ein Vexierbild, und wir benötigen Zeit für
die Rezeption seiner zunächst einfach erscheinenden
Bildentwürfe, deren komplexe Ideen sich erst auf
den zweiten Blick entfalten.
Die Ausstellung wird unterstützt durch die Stadtwerke
Glückstadt. Zur Ausstellung erscheinen exklusiv zwei
Editionen: der Sechsfarb-Siebdruck "due" von
Burkhard Vernunft (Format 70x100 cm, Auflage 50, 90 €),
die fünfteilige Siebdruckarbeit "Paris"
zu Walter Benjamins Pariser Passagen von Paul Schwer (62x50
cm, Auflage 50, je Blatt 200 €) sowie die Postkarten-Publikation
"7 Quartette" von Burkhard Vernunft (10 €).
|
|
|