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Uwe Paduck - Neue Bilder |
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Vernissage
am Sonntag, 25. April 2004, 11.30 Uhr
Ausstellungsdauer bis 6. Juni 2004
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| Presseinformation |
Die Doppelausstellung
Uwe Paduck und Rene J Goffin verspricht eine intensive
Auseinandersetzung mit zwei malerischen Positionen innerhalb
der international wieder stark in den Mittelpunkt der
Kunst gerückten Malerei. Dieser Aktualität entsprechend,
konzentriert sich die Schau der in Schleswig-Holstein
lebenden Künstler auf knapp 60 neue Bilder, die in
den letzten zwei Jahren entstanden sind.
Sowohl Paducks wie Goffins abstrakte Arbeiten sind keine
ad-hoc-Lösungen, sondern Resultat jahrzehntelanger
Beschäftigung mit den Möglichkeiten der Malerei
sowie mit deren immer wieder propagiertem Ende.
Umso beeindruckender ist es, dass Paduck wie Goffin
in Glückstadt mit neuen Bildlösungen aufwarten.
Als Uwe Paduck, der in 2004 seinen sechzigsten Geburtstag
feiert, vor wenigen Jahren sein Atelier von Hamburg
nach Glückstadt in einen ehemaligen Bootsschuppen
ans Wasser verlegt, wandelt sich seine Malerei noch
einmal radikal. Streng monochrome und geometrische Farbfelder
werden abgelöst von offenen Kompositionen mit gestischer
Pinselführung. Die Hand, die diesen Pinsel führt,
wird physisch präsent. Großzügig agiert
Paduck mit leuchtenden Farben und fließenden Formen.
In Aquarell- und Acrylfarben findet er dafür das
geeignete flüssige Malmittel. Alles in diesen Bildern
scheint von der Bewegung und vom Licht getragen. Als
ob sich die jahres- und tageszeitlichen Veränderungen
in der weiten Marschlandschaft - der schnelle Wechsel
von Sonne und Schatten, der unaufhörliche Wandel
der Wasseroberflächen und Wolkenformationen - auf
Paduck körperlich übertragen hätten und
über den Pinsel ins Bild transportiert würden.
So kann es passieren, dass der Betrachter die abstrakten
Bilder bisweilen mit Naturschauspielen assoziiert
auch wenn Paduck ein Zuviel an Illusion mit malerischen
Mitteln zu unterbinden weiss. " Ein Bild ist kein
Abbild, es hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun",
sagt Paduck, "es ist etwas ganz Neues."
Dagegen hat die landschaftliche Umgebung keinen direkten
Einfluß auf die Malerei des seit 20 Jahren am Selenter
See lebenden René J Goffin. Die Arbeiten des 1951
in Düsseldorf geborenen Künstlers bilden in
sich abgeschlossene Welten aus künstlich wirkenden
Formen und Farben, die sich verdichten und wieder auflösen.
Sie sind und genügen ganz sich selbst. Oft enden
wild bewegte Lineaturen abrupt an scharfen Kanten, an
die sich wieder neue Bildwelten schließen. Kunstkritiker
haben sie mit der Gleichzeitigkeit der Ereignisse in hochkomplexen
Industriegesellschaften verglichen. Konsequent hat Goffin
lange seine künstlerische Arbeit von seinem dezidierten
Interesse an fremden Kulturen getrennt. Sein absolviertes
Studium der Ethnologie führt ihn jedes Jahr nach
Ostasien. Zum ersten Mal nun hat er begonnen, Stoffe aus
Indien in Bildern auf Holzträgern zu verarbeiten.
Das ist nicht immer sofort erkennbar, denn Goffin verfremdet
Reproduktionen - ob Fotografien, Kopien oder Drucke -,
schichtet sie übereinander und bettet sie in eine
transparente Acrylsubstanz, die nach und nach aushärtet.
In dieser besonderen Collage- und Reproduktionstechnik
hat der Künstler exklusiv für den Kunstverein
eine fünfteilige Edition angefertigt.
INNERE UND ÄUSSERE FARBLANDSCHAFTEN
Uwe Paduck ist Maler, ein Maler, wie die Kunstgeschichte
ihn schätzt, da sich viele Bezüge herstellen
lassen und seine Bildsprache, in Gänze betrachtet,
dennoch eigenständig bleibt. Ausgehend von den
aktuellen Arbeiten erscheint die Retrospektive stringent
in ihrer Stillosigkeit; und die Anfänge in den
Sechzigerjahren zeigen sich jetzt in neuer Tiefe. In
den Zwischenjahren und jahrzehnten trieb sich
Paduck auf allen malerischen Feldern herum: zwischen
informeller Abstraktion, Geometrie und abbildhaftem
Realismus. "Einen Stil zu entwickeln hieße",
so Paduck, " die reale Erscheinungswelt in eine
Mitteilung oder Meinungsrichtung zu zwingen."
So ging es ihm stets um die Auflösung jeder Begrifflichkeit
in der Malerei, um das Eigene im Anderen, jenseits kunsthistorischer
Einordnungen. Das Unbenennbare bleibt frei und fließend
in der Form, und den Maler Uwe Paduck interessiert nichts,
"was außerhalb des Bildes liegt oder liegen
könnte", denn "Bilder sind (abgesehen
von ihrer Materialität und dem Empfindungswert
der Farbe) keine Wirklichkeit, sondern allenfalls die
Erscheinung von Wirklichkeit."
Das Bild bleibt für ihn Objekt. Dennoch sind landschaftliche
Assoziationen in der Betrachtung von Paducks ungegenständlichen
Farbwanderungen und nicht -pastosen Farbschichtungen
möglich, vielleicht sogar gewollt. Insbesondere
die kleinformatigen neuen Arbeiten überraschen
durch ihre kompositorische und expressive Farbenvielfalt,
durch Öffnungen in eine suggestive Weite und Tiefe
des Bildraumes, dessen netzartige Linienstrukturen zu
Ausschnitten aus einer urzeitlichen Welterfahrung werden.
Uwe Paduck arbeitet in erster Linie mit traditionellen
Bildträgern (Leinwand und Papier) und Farbmaterial
(Öl, Acryl, Aquarell). Malerische Experimente bezieht
Paduck nicht auf die äußere, sondern verbindet
sie mit der inneren Form. Seine Motive reichen von nervös
hingeworfenen Strichen und Lineamenten seiner frühen
Radierungen über freie , gestische Figurenansammlungen
als Bleistiftzeichnungen und großformatige Farbfeldmalerei
mit einfachen Grundformen, über exakt beobachtete
Hafenansichten voller Lokalkolorit, ausgeführt
wie ein photographischer Negativdruck, bis zu abstrakten,
inneren Farblandschaften.
Für manche Einzelbilder oder Werkgruppen lassen
sich Vorläufer wie Elsworth Kelly oder Vorbilder
wie Gerhard Richter ausmachen. Doch dann, unabhängig
von den Impulsen der Kollegen, reicht auch eine Photographie
oder die unmittelbare Umgebung, die zum künstlerischen
Abbild oder Nachbild wird.
Was die heterogenen Aspekte seines malerischen Werks,
ja die unterschiedlichen Stile eint, ist die Dynamik
und die Raumwirkung seiner Bildwerke.
Paducks Bilder entstehen Schicht für Schicht, er
legt ein Geflecht aus Linien und Lasuren, parallel oder
senkrecht zueinander, über das kolorierte Blatt;
so entsteht ein Davor und Dahinter in Bildern ohne Oben
und Unten. Früher, möglicherweise noch von
der Pop-Art inspiriert, waren es andere regelmäßigere
Muster, Wiederholungen und Variationen des gleichen
Gegenstandes, etwa eine stilisierte schwarze Blüte
auf gelbem Grund, die in der Präsentation als Tableauform
zwanzigfach wiederholt zu einem Ornament wurde.
In einem Statement aus dem Jahr 1989, als die Malerei
nach einem heftigen Höhenflug der sogenannten "Neuen
Wilden" wieder unsanft landete, brachte Paduck
die späte Einsicht auf den knappen Punkt: "Malerei
hat nichts mit dem Leben zu tun, sondern nur mit Farbe
(...) ergo, mache ich etwas mit Farbe, kommt Malerei
dabei heraus. Male ich, kommt Farbe dabei heraus."
In den Siebzigerjahren war er auf der Hochschule für
bildende Künste in Hamburg mit Joseph Beuys in
Kontakt gekommen, eine Begegnung, die ihn bis heute
prägt, wenn auch die enge Verbindung, die Gleichsetzung
von Kunst und Leben für Paduck eine unerfüllbare
Illusion bleibt. Malerei und Farbe werden für ihn
zu Synonymen, was auch in seinen jüngsten Arbeiten
sichtbar wird. Eine Malerei, die so rein ist, dasssie
nichts meint oder benennt außer sich selbst. Inhalte
werden schlicht auf ihre Allgemeingültigkeit überprüft.
Und so entstehen bei Paduck Bilder, deren Arbeitsschritte
mal spontan unbewußt, dann wieder kompositorisch
bewusst gesetzt werden. Spürbar bleibt die Verbindung
von äußerer Erscheinung und innerer Welt,
deren malerische Intensität ein Balanceakt zwischen
Emotionen und Geist ist.
Matthias Harder |
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