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Begleitprogramm
zum Japanischen Museumssommer 2005 im Kunstverein:
7. Juli, 19.30 im Kunstverein Palais für Aktuelle
Kunst:
Japanischer Abend mit Bildern von Samuel Zuder,
Fotograf
und Kurzgeschichten von Marc Fischer, Journalist
und Schriftsteller
Eintritt : 2 Euro
Kunden der Sparkasse Westholstein haben freien Eintritt
24. Juli , 17.30 (vor dem Konzert)
Führung durch die Ausstellung "Wenn sich
kein Blatt regt ...Natur und Träume in der
japanischen Kunst"
Mit Tee und Gebäck im Japanischen Teehaus im
Garten
Eintritt. 2 Euro
Kunden der Sparkasse Westholstein haben freien Eintritt |
3. Juli - 28. August 2005 Mittwoch
bis Sonntag von 13.00 - 17.00 Uhr
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Wunschbilder und Naturbetrachtung sind traditionelle
Sujets in der Kunst
Japans. Welche Rolle diese Themen für Künstler
heute spielen, fragt die
Gruppenausstellung, die auch im Garten des Palais
für aktuelle Kunst
stattfindet. Die acht Künstler, die sowohl
in Japan als auch andernorts
leben, beteiligen sich mit teilweise neuen, eigens
für den Kunstverein
entstandenen Arbeiten.
Der Titel „Wenn sich kein Blatt regt..“
zitiert ein Haiku des Dichters Buson
aus dem 18. Jahrhundert: Wenn sich kein Blatt regt/Sind
sie doch so
unheimlich/Die Sommerbäume. Diese Gedichtform
ist bis heute in Japan
populär. Sie beschreibt,„die flüchtige
Stimmung eines Augenblicks und gibt sich der unmittelbaren
Sinneswahrnehmung ganz hin.“ Es gilt die Regel,
ein Haiku soll in die Grundstimmung einer Jahreszeit
versetzen.
Diese Qualitäten finden und fanden sich auch
stets in der bildenden Kunst wieder. Während
sich in der Vergangenheit die Kalligraphie und Malerei
der stillen Hingabe an die Natur widmeten, arbeiten
die acht ausgewählten Künstler der jüngeren
und mittleren Generation mit modernen Medien: Video
und Installation, Malerei und Zeichnung, Performance
und Fotografie. Dabei geht es etwa ihnen um die
besondere Atmosphäre in der Natur und ihre
Erscheinungen, den Übergang vom Innenraum in
den Außenraum, die Wahrnehmung von Natur unter
den Bedingungen der Verstädterung oder um die
Frage mit welchen Mitteln sich Naturphänomene
und Träume in die Kunst transportieren und
übersetzen lassen. Allen Arbeiten gemeinsam
ist die reduzierte Form - und damit die Konzentration
auf Wesentliches-, die sinnliche Komponente der
Annäherung sowie eine präzise formale
Umsetzung.
So wird Yoshiaki Kaihatsu ( geb. 1966, lebt in Tokyo),
der auf der Architektur-
biennale in Venedig 2004 Japan vertrat, aus den
Styroporverpackungen technischer Geräte neue
Räume bauen. Für den barocken Garten erstellt
er daraus ein Teehaus in traditioneller Form und
gleichzeitig im futuristisch anmutendem Gewand.
Dort wird zur Eröffnung Tee, Sake und Bier
serviert. Im oberen Saal des Palais wird das weiße
Material so installiert, dass es mit einem Wald
und Bäumen assoziiert werden kann. Im ehemals
barocken Raum werden sich die Licht- und Schattenverhältnisse
ändern. Genauso nimmt das schalldämmende
Material auch Einfluss auf die Geräuschkulisse.
Neben diesen ästhetischen und sinnlichen Wirkungen,
spricht die Arbeit auch Gegensätze zwischen
Vergangenheit und Zukunft, das Thema Recycling wie
die Folgen materiellen Konsums an.
Yoshihiro Suda (geb. 1969, Yamanashi, lebt in Tokyo),
zeigt filigrane Blüten einer „Morning
Glory“, die auf seine Anweisung hin an ganz
besonderen Stellen des Ausstellungshauses installiert
sind. Dafür hatte der Künstler in diesem
Frühjahr den Kunstverein besucht und das Treppenhaus
ausgewählt. Die Wahl dieses Ortes, der normalerweise
nicht für die Präsentation von Kunst genutzt
wird, ist für Suda bezeichnend. Seine Arbeiten
sollen erst mit einem zweiten, oft überraschten
Blick erkannt werden. Das entspricht ihrer Wahrnehmung
in der Wirklichkeit. Es sind Unkräuter oder
Blumen, wie sie in Städten zwischen Asphalt
und Beton an Straßenrändern und Brachen
wild wachsen. Suda schnitzt sie aus Magnolienholz
und fasst sie farbig. Ihre Schönheit bleibt
erhalten, ihre Empfindlichkeit wie ihre Kraft betont.
Takehito Koganezawa, (geb. 1974, lebt und arbeitet
in Berlin) zeigt seinen neuesten Videofilm "Snowing",
der diesen Winter während eines Schneesturms
entstanden ist und die Lichter der Metropole reflektiert.
Das natürliche Phänomen Schnee ist in
der urbanen Umgebung „außerhalb der
Natur“ fast bis zur Unkenntlichkeit wiedergegeben
und trotzdem von starker Anziehungskraft und großer
Schönheit. In den flimmernd wirkenden Filmbildern
liegt eine große Ruhe, die sich gleichzeitig
in steter Veränderung befindet. In einem zweiten
Raum zeigt der Künstler eine Auswahl von Zeichnungen,
die traumgleich Szenen andeuten und dabei Anfang
und Ende offen lassen.
Toshia Kobayashi (lebt in Tokyo) fertigt Bilder,
die auf den ersten Blick
wie monochrome Malereien aussehen. Sie entstehen
meist in kleinen Serien und sind doch mehr als nur
die abstrakte Bilder. Die vier Arbeiten der Serie
„Landscape in the mist“ hatte der Künstler
ursprünglich mit Landschaften bemalt und sie
anschließend abgeschliffen. Dennoch bergen
sie in ihrer Leere die Erinnerung an die Natur,
sind Sehnsuchtsbilder und Imaginationsflächen
in einem.
Satoshi Otsuka (geb. 1970 in Fukushima, lebt in
Tokyo) verwendet in seinen Installationen häufig
Licht, um Dimensionen von Unendlichkeit anzudeuten.
Lichtpunkte verlieren sich in der Weite des Raumes
oder Spiegel holen Fernes in die Nähe. Seine
im Palais aufgestellte Spiegelskulptur „Mirror
Piece for a Corner“ reflektiert gebrochen
den Innen- wie Außenraum und die dort möglicherweise
sichtbare Stadt oder Landschaft. Diese Arbeit ist
wie es lange Zeit für die westliche Malerei
galt „ein Stück Fenster in die Welt“
und in seiner strengen Form dem Minimalismus verbunden.
Miwa Yanagi (geb 1967 in Kobe, lebt in Kyoto) zeigt
zwei großformatige
Fotoarbeiten, welche die Themen Träume und
Kontemplation bebildern und aus der Serie "My
Grandmothers" stammen. In diesen Werken setzt
die Künstlerin sowohl Vergangenes, Gegenwärtiges
wie Zukünftiges theatralisch in Szene. Die
erzählstarken Bilder basieren auf den Erinnerungen,
Überlieferungen und Wunschbildern von realen
Personen mit denen Yanagi sprach. Sie umfassen den
Zeitraum von 1850 bis 2050. Erträumtes und
Wirkliches gehen ineinander über. Die Arbeit
„Geisha“ verweist in die Tradition japanischer
Gesellschaftsdamen. Diese Frauen wurden etwa von
Teegesellschaften angemietet und dafür seit
ihrer Kindheit im Tanz, Gesang und in der Konversation
ausgebildet. Die Arbeit „Ryuen“ zeigt
einen Mönch in tiefer Versenkung.
Rikuo Ueda (geb. 1950 in Osaka) präsentiert
Zeichnungen, die mit den Kräften des Windes
entstanden sind und dessen Bewegungen unmittelbar
einfangen. Der Künstler befestigt dafür
Pinsel oder Stifte etwa an Ästen, die vom Wind
bewegt werden, und nimmt keinen Einfluss auf die
entstehenden Bilder. Ueda geht mit seinen Arbeiten,
die wie informelle Kunst anmuten über diese
hinaus: er stellt nicht das künstlerische Ich,
sondern die nicht kontrollierbaren Kräfte der
Natur in den Mittelpunkt. An buddhistischer Tradition
interessiert, schätzt Ueda die Substanzlosigkeit
wie die Unendlichkeit des Windes als Teil des kosmischen
Geschehens. Ein Film dokumentiert die Entstehung
seiner Arbeiten, die auf der ganzen Welt entstanden
sind.
Die ausgestellten Fotoarbeiten von Hiroyuki Masuyama
(geb in Tukuba, lebt in Düsseldorf und Tokyo)
dokumentieren poetisch den Verlauf eines gesamten
Monats in einem Stück Wald. Dafür hat
der Künstler jeden Tag im „Mai“
und „April“ eine Waldlichtung fotografiert
und die Kamera um eine paar Grad verschoben. Die
31 bzw. 30 entstandenen Bilder hat er anschließend
digital zu zwei großen Panoramafotografien
zusammengesetzt. Mit modernen Medien gibt Masuyama
die subtilen Veränderungen, die sich in jedem
Augenblick in der Natur ereignen, wieder. Dabei
vertraut er ganz der Tradition des feststehenden
Bildes, dem sich der Blick des Betrachters langsam
annähren kann, um immer tiefer in die Geheimnisse
des Bildes und der Natur einzutauchen.
VERANSTALTUNG: Am 7. Juli um 19.30 Uhr findet ein
japanischer Abend mit Fotografien von Samuel Zuder
(Fotograf) und mit Geschichten von Marc Fischer
(Autor und Journalist) statt.
Die Ausstellung ist Teil des Kultursommers Japan
in Schleswig-Holstein und wird unterstützt
von: Sparkasse Westholstein, Landeskulturverband
Schleswig-Holstein e.V. und der Brauerei Kirin Ichiban,
Japan´s Prime Brew.
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