VERY BRITISH
Martin Parr, Witold Krassowski, Martin Salter, Andrew Testa
Vernissage am Sonntag, 24. August 2003, 11.30 Uhr
Ausstellungsdauer 24. August bis 28. September 2003
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PRESSEANKÜNDIGUNG

Mit "very british" setzt das Palais für aktuelle Kunst die Ausstellungs-reihe fort, die sich auf das Schleswig-Holsteinische Musikfestival und den jeweiligen Länderschwerpunkt bezieht. Im letzten Jahr wurde die spanische Photographin Cristina Garcia-Rodero mit ihren Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus der Serie "España Oculta" vorgestellt, diesmal vier britische Photographen: Martin Parr, international gefeiert und vielfach ausgezeichnet, sowie seine jüngeren Kollegen Martin Salter, Witold Krassowski und Andrew Testa, die für ihre Reportagen zwar teilweise mit renommierten Preisen ausgezeichnet wurden, in Deutschland jedoch noch nahezu unentdeckt geblieben sind. Zusammen bilden die vier künstlerischen bzw. photojournalistischen Positionen aus den späten neunziger Jahren eine komplexe gesellschaftliche Untersuchung.

Das Magnum-Mitglied Martin Parr kann als Vater einer neuen Photo-graphengeneration in England gelten. Seine Bilder aus der Serie "Common Sense" - häufig kopiert, doch unerreicht - sind mehr als farbige Schnappschüsse eines ständig Umherreisenden: es sind grellbunte Nahansichten, die die Agressivität der Werbung, mit deren Strategien und Mechanismen er souverän spielt, noch übertreffen; bildhafte Kommentare zur Lage der Nation, humoristisch bis gesell-schaftskritisch. Parr bedient die Klischees britischer Lebensart, er übertreibt und hinterfragt sie.

Martin Salter (Jg. 1965) interessiert sich – in seinen freien Projekten - ebenfalls für sein Land und seine Landsleute. Mit den Serien "Building Work" und "Pleasent Landscapes" konterkariert er die Vorstellung von unberührten Landschaften an der englischen Küste oder der angelsächsischen Architektur. Seine sozialkritischen Farbbilder findet man kaum in den Hochglanzbroschüren der britischen Werbe- und Tourismusindustrie.

Dem sprichwörtlichen britischen Humor begegnen wir in den Schwarz-Weiß-Arbeiten des polnischstämmigen Witold Krassowski. Von Colin Jacobsen, dem legendären Bildredakteur des Independent Magazine, immer wieder beauftragt, photographiert er banale Straßenszenen, alltägliche Situationen, in denen der Mensch als Hauptmotiv entlarv-end in Szene gesetzt wird. Dieser Blick von außen, ganz in der Tradition einer osteuropäischen Erzählweise, verrät mehr über das Inselvolk als mancher einheimische Kollege.

Andrew Testa (Jg. 1965) schließlich fokussiert seinen Blick auf die Brennpunkte der britischen Gesellschaft; in unserer Ausstellung ist seine sozialdokumentarische Schwarz-Weiß-Reportage über einen 860 Tage währenden Streik von Dockarbeitern in Liverpool zu sehen. Er begleitete die Streikenden und ihre Familien über den gesamten Zeitraum der Auseinandersetzung bis zu deren Scheitern. Seine Bilder, Beispiele einer engagierten, politischen Bildsprache, die in der zeitgenössischen Photographie immer seltener anzutreffen ist, werden zu einem Memento der radikalen gesellschaftlichen Umstrukturierungen im England der neunziger Jahre.

Die Ausstellung "very british", organisiert in Zusammenarbeit mit der Hamburger Stiftung F.C. Gundlach, wird unterstützt durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung, Bildung und Kultur der Landesregierung Schleswig-Holstein sowie durch die Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein.

Publikationen der vier Photokünstler liegen vor. Bildmaterial und Informationen zur Ausstellung erhalten Sie auf Anfrage vom Leiter des Palais für aktuelle Kunst in Glückstadt, Dr. Matthias Harder.
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Austellung im PAK