Dieter Glasmacher / Rolf Zander – "Augenkontrollstation"

Zander und Glasmacher sind Maler, Objektkünstler, Zeichner, Graphiker, Collagisten, mit einem Wort: Mischtechniker; vor allem aber sind sie amüsante Geschichtenerzähler und intelligente Zweitverwerter von medialem Bildmaterial. In den vergangenen vierzig Jahren haben beide an einer visuellen Strategie, an einem eigenständigen Stil gearbeitet – mit großem Erfolg. So entstehen bis heute subtile, formal und inhaltlich dichte Bilder, die entweder ganz oder gar nicht verstanden werden können. Ein so einfacher wie wunderbarer Schlüssel zum Verständnis dieser Werke ist Humor, manchmal auch der Versuch, in der Betrachtung so schnell wie möglich assoziativ zu springen.

Wie kommt es zu dieser ersten gemeinsamen Ausstellung von Glasmacher und Zander? Vorangegangen war eine gemeinsame Bootstour über die Stör, einen kleinen Elbnebenfluß in der Nähe von Glückstadt, wo sie Material für ihre Gemeinschaftswerke gesammelt haben. So entstand die Bildserie mit absurd-deskriptivem Titel „Nördlich Kamerun“, in der die künstlerische Autorenschaft zusammenfällt.

Zander und Glasmacher studierten zunächst an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste bei Lehrern, die das Dritte Reich überlebt hatten und vom Bauhaus geprägt waren: Zander ab 1953 bei Kurt Kranz, Glasmacher ab 1963 bei Hans Thiemann. Die damals populäre, sogenannte „Augenkontrolle“ des bildnerischen Materials, das „wache Auge“ für die überraschenden Ausdrucksqualitäten von „Brüchen“ zwischen Farben, Formen und Oberflächen haben beide durch die Vermittlung der Bauhausideale kennen gelernt und für sich weiterentwickelt. So entstand auch der Ausstellungstitel.

Die Zeit der „echten“ Produzentengalerien ist vorbei. Die „Augenkontrollstation“ von Zander und Glasmacher im Kunstverein Glückstadt mutet hingegen wie eine Hommage an die alternative Schaffens- und Präsentationsform der sechziger und siebziger Jahre an, als auch sie die Karriereleiter erklommen und anschließend durch die Institutionen marschierten. Sie haben mit der konsequenten Weiterentwicklung ihres Werkes den Anschluss an die zeitgenössische Kunstproduktion geschafft und verwandeln das Palais für aktuelle Kunst gewissermaßen in eine späte Produzentengalerie.

Schließlich geht es bei der „Augenkontrollstation“ um das Schaffen individueller Bildwirklichkeiten, und die Betrachter sind aufgefordert, sich in Auseinandersetzung mit diesen Vor- und Nach-Bildern eigene Realitäten zu erschaffen.

Mathias Harder, Palais für aktuelle Kunst
 
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